Das Prinzip der Unberechenbarkeit

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Was es mit den widersprüchlichen Aussagen von Politikern auf sich haben könnte.


Im derzeitigen “Krisenmanagement” kann man sich auf nichts mehr verlassen, außer, dass so gut wie jede Zusicherung, jedes Versprechen bald ins Gegenteil verkehrt werden wird. Heute titeln die Zeitungen, dass die “Pandemie” noch in diesem Jahr zu Ende ginge, dann wird der nächste “Experte” zitiert, der vor noch schlimmeren Folgen warnt und eine drastische Verschärfung aller Maßnahmen, gegen die er vor kurzem noch selber war, als einziges Mittel sieht.

Weiß die eine Hand wirklich nicht, was die andere tut? Oder steckt Methode dahinter?

In verschiedenen psychologischen und pädagogischen Schulen spricht man vom “Prinzip der Unberechenbarkeit”, um im therapeutischen Prozess den Klienten mittels Diffusion zu einer Neubewertung seiner Situation zu bewegen oder eine Verhaltensänderung bei Kindern, Betreuten oder Patienten notwendig zu machen.

Am Beispiel eingefahrener Strukturen innerhalb einer Familie oder einer Einrichtung, die regelmäßig zu Konflikten führen, lässt sich das Prinzip leicht erklären:

Kind X verhält sich “unerwünscht” – früher sagte man salopp “flippt aus” und Erzieherin Y oder Vater und Mutter Z reagieren immer gleich, wodurch das “problematische” Kind, der sogenannte IP (Indexpatient), das Verhalten der Bezugspersonen steuern kann. Ein Mittel der Wahl wäre hier die emotionale Erpressung, z.B. mit Scham, wie dem sich auf dem Boden werfen an der Supermarktkasse …

Der Berater vereinbart nun in geheimer Absprache mit den Bezugspersonen, dass sie ab sofort anders reagieren sollen. Eltern werden zum Rollentausch aufgefordert, statt den altgewohnten Konsequenzen in Form von Strafen, darf auch gerne einmal eine sogenannte “paradoxe” Intervention vorgenommen werden. So belohnt man Fehlverhalten oder fordert ein Kind explizit dazu auf: “Bitte wirf dich auf den Boden, wie du es immer machst …”

Die Theorie dazu: “Kind X” kann nicht mehr abschätzen, welches Verhalten, welche Reaktion auslöst. Manchmal fordern selbst “schwierigste” Kinder regelrecht ein, die Eltern mögen doch wieder “normal” werden, dahinter steckt der verständliche und überlebensnotwendige Wunsch nach Stabilität. Alles ist durcheinander und wird jetzt wieder neugeordnet. Friede. Freude. Kinderschokolade.

Was im Kleinen funktioniert, lässt sich auch auf ganze Gesellschaften übertragen. Ordo ab Chao. Stecken wir in so einem Prozess und sind die ständigen Widersprüche so zu erklären? Und wenn ja, wie lautet die Konsequenz?